Definition

Die Allgemeinbibliographie ist im Unterschied zu einer Fachbibliographie nicht auf ein bestimmtes Sachgebiet eingeschränkt.

Die denkbar umfassendste Konzeption einer Allgemeinbibliographie stellt die Internationale Allgemeinbibliographie dar, denn Verzeichnisse dieser Gruppe erfassen allgemein Schriften jeden Inhalts, Drucke aus allen Ländern, allen Sprachen und allen Jahrhunderten.

 

Kurze Geschichte

Die Idee der Internationalen Allgemeinbibliographien zieht sich vom Beginn des Buchdrucks im 15. Jahrhundert bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Es hat allerdings nur wenige (erfolgreiche) Verzeichnisse dieser umfassenden Konzeption gegeben, da ab dem 19. Jahrhundert die Buchproduktion explosionsartig anstieg und somit keine sinnvolle „internationale, allgemeine Auswahl“ zu treffen war. Die Internationalen Allgemeinbibliographien sind die Vorläufer der Nationalbibliographien, die entweder

  • als Territorialkonzeption das gesamte veröffentlichte Schrifttum eines Staates berücksichtigt,
  • als Sprachkreiskonzeption auch das im Ausland in der Landessprache publizierte Schrifttum inkludiert oder
  • als landeskundliche Konzeption ebenso das im Ausland publizierte Schrifttum zu diesem Staat verzeichnet.

Traditionell werden die Nationalbibliographien von den jeweiligen Nationalbibliotheken betreut und – mittlerweile online – herausgegeben, z. B. die Deutsche Nationalbibliografie, die österreichische Bibliografie oder Das Schweizer Buch.

 

Benutzung und Informationsvermittlung

Formal erschlossen werden die Allgemeinbibliographien nach Autoren. Als Ausnahme gelten Inkunabeln und Frühdrucke, wo die Formalerschließung nach dem Verleger oder Ort erfolgt. Aus der Sicht der Benutzung wurde die Internationale Allgemeinbibliographie inzwischen durch die Katalogdrucke der großen Universalbibliographien bzw. durch die Gesamtkataloge in den Hintergrund gedrängt. Deshalb hat die Internationale Allgemeinbibliographie zunehmend nur noch eine museale Bedeutung, wenn sie nicht für bestimmte Recherchefälle durch besondere oder besonders weitgehende Information ihren Zweck erfüllen.

 

Problematik

Da kein Bibliograph jemals in der Lage war, in irgendeiner Hinsicht die Vollständigkeit der Verzeichnisse zu erreichen, handelt es sich bei Internationalen Allgemeinbibliographien nur um Auswahlverzeichnisse. Die universelle Allgemeinbibliographie blieb eine Utopie. Das Paradebeispiel für den Versuch, Vollständigkeit zu erreichen, ist 1895 die Gründung des „Office International de Bibliographie“ durch Paul Otlet und Henri La Fontaine. Sie arbeiteten an einer Universellen Bibliothek, die bibliographisch das gesamte Schrifttum der Welt nachweisen sollte und im sogenannten Mundaneum in Brüssel beheimatet war. Bis 1930 wuchs dieses Unterfangen auf über 16 Millionen bibliographische Einträge an.