Bibliotheken im Wandel
Kernaufgaben von Bibliotheken sind seit ihrer Gründung das Sammeln, Bewahren, Verwalten sowie die Vermittlung von Informationsressourcen an die BenutzerInnen.
Dreh- und Angelpunkt der Informationsvermittlung in der Bibliothek war lange Zeit der wissenschaftliche Auskunftsdienst, der die BenutzerInnen im Katalogsaal an einem eigenen Informationsschalter bei ihrer Suche und Recherche unterstützte. Bevor es Publikumskataloge gab bzw. die bibliographischen Hilfsmittel frei zugänglich wurden, war es der Reference Librarian, der den Zugang zu den Informationen in Katalogen und den konventionellen bibliographischen Hilfsmitteln vermittelte. Ihn zeichneten die folgenden Tugenden aus:
- Genauigkeit
- Ausdauer
- Augenmaß
- Kenntnisse des Bibliotheksbestands
- Erfahrung und Intuition
- Soft Skills, wie z. B. Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft
Gab es die gewünschten Ressourcen nicht am Bibliotheksstandort, half der Reference Librarian bei der Beschaffung via Fernleihe.
Mit dem Einzug der EDV in den 1970er Jahren begann sich ein zusätzlicher neuer Informationsmarkt zu bilden. Informationen wurden von Informationsanbietern zunehmend in Datenbanken gespeichert, die bei sogenannten Hosts via Modem kostenpflichtig von berechtigten Bibliotheken online fernabgefragt werden konnte. In den Informationsvermittlungsstellen von Bibliotheken wurde so der Zugriff auf zig-Millionen Literaturzitate zu allen Fachgebieten auf der ganzen Welt möglich. In vielen Fällen waren die bei Online-Diensten aufgefundenen Literaturstellen nicht in der Bibliothek verfügbar, konnte aber via Fernleihe für die BenutzerInnen bestellt werden.Ende der 1980er Jahre ziehen neue Datenträger in die Bibliothek und in die Informationsrecherche ein, die: CD-ROM. Sie erlauben den BenutzerInnen neben der konventionellen Weise analog zu bibliografieren nun auch diese Informationsquellen im Bereich der EDV zu nutzen. Der Librarian wurde Supervisor und bekam neue Aufgaben.
- Beistehen (to assist)
- Helfen (to help)
- Zugriff kontrollieren (to control access)
- Sicherheit der Daten garantieren (to ensure security)
- Einschulen (to Train)
Die Rückgewinnung von Information aus elektronischen Datenbanken im Dialog mit dem Computer (bzw. via Modem) wurde als Information Retrieval bezeichnet. Als neuer Begriff für die BenutzerInnen dieser Technologie war der Begriff End-User geboren.
Anfang der 1990er gelang es, CD-ROM-Networking zu betreiben und damit den parallelen Zugriff auf viele CD-ROMs und den darauf gespeicherten Datenbanken durch mehrere BenutzerInnen zu ermöglichen. Diese Entwicklung stellt zusätzliche Anforderungen an die BibliothekarInnen:
- Access-Schwierigkeit
- Lizenzkosten
- Auswahl der Daten
Bereits in den 1980er-Jahren stellten viele Bibliotheken in Österreich ihre Kataloge von Karteikarten auf OPACs (Online Public Access Catalogues) um, die via PCs in den Bibliotheken öffentlich zugänglich waren. Waren die OPACs anfangs nur über Telnet abfragbar, wurden sie mit der Entwicklung des Internets in den 1990er Jahren auch online im WWW zugänglich.
Parallel zur Entwicklung des Internets mit den neuen Möglichkeiten Informationen via Homepages, Discussion groups, Suchmaschinen zu vermitteln, wurde auch die Rolle des Librarian in Frage gestellt, standen doch plötzlich viele Informationen von einzelnen, zum Teil hoch spezialisierten UserInnen im WWW direkt zur Verfügung und stellten die Vermittlungsrolle der BibliothekarInnen in Zweifel.
Mit den Änderungen der Umweltbedingungen im Informationsbereich hat sich auch das Anforderungsprofil der BibliothekarInnen zum Information Specialist geändert, mit folgenden Aufgaben und Kompetenzen:
- Access sicherstellen (Zugriff bewahren; Interfaces entwickeln)
- Leistungsfähige Informationssysteme anbieten
- Organisation der Information und Schulung für die BenützerInnen
- Überblicken der gesamten Informationslandschaft und Bewerten der Qualität von Informationsressourcen
- Entwickeln und Empfehlen von Suchstrategien bei jeder spezifischen BenutzerInnen-Frage
- Fähigkeit, Informationstechnologien gezielt einzusetzen
- Empathie gegenüber Suchstrategien und -methoden auf der einen Seite und BenutzerInnen auf der anderen Seite
- Dokumentenbeschaffung und Fernleihe, wenn Literatur nicht vor Ort oder online verfügbar
Ziel ist die Kundenzufriedenheit, ein Besuch in der Bibliothek muss sich lohnen.